English

  VAM-Durchstöbern

   CDLI-Suche

  Homepage
Frühe Kooperation

Das Unterfangen, die stattliche Sammlung früher Keilschrifttafeln des Vorderasiatischen Museums (VAM) zu digitalisieren und über das Internet zugänglich zu machen, ist durch eine langjährige Zusammenarbeit zwischen dem Personal des Museums und Mitgliedern der akademischen Gemeinschaft gekennzeichnet, die mit Forschungen über die Tafeln der Sammlung des Museums befaßt sind. Seit der Mitte der 70er Jahre haben Mitarbeiter des Projekts Archaische Texte aus Uruk, insbesondere Hans Nissen, Margret Green und Robert Englund von der Freien Universität Berlin (Englund jetzt an der University of California at Los Angeles, UCLA), sowie Peter Damerow vom Max-Planck-Institut für Bildungsforschung (jetzt am Max-Planck-Institut für Wissenschaftsgeschichte, MPIWG), mit Unterstützung durch die Direktoren des Vorderasiatischen Museums Liane Rost, Evelyn Klengel-Brandt und jetzt Beate Salje, sowie insbesondere mit der unermüdlichen Hilfe des Kurators der Tafeln Joachim Marzahn und des Archivars Hans-Joachim Nohka, viele Hunderte von Stunden damit verbracht, die 1755 Protokeilschrifttafeln, die überwiegend aus den vor dem zweiten Weltkrieg durchgeführten deutschen Grabungen im südbabylonischen Warka stammen, zu katalogisieren, zu transkribieren und zu kopieren. Die große Zahl der Protokeilschriftdokumente dieser Sammlung macht sie zur weitaus bedeutendsten außerhalb des Irak; angesichts der Tatsache, daß die meisten der Tafeln aus der ersten Phase der Schriftentwicklung in Mesopotamien stammen, die nach der Grabungsstratigrafie als Uruk-IV-Periode bezeichnet wird (ca. 3200 v. Chr.), stellt die Sammlung des VAM die eindruckvollste Quelle der Welt für das Studium der Anfänge der Schrift im Nahen Osten dar (siehe die hier angeführte Literatur, insbesondere R. Englund, ATU 5, und die Beschreibung der Sammlung ).

Ausbreitung des Projekts

Eine entscheidende Wende, die zu der hier vorliegenden Form des Zugangs zu der Sammlung geführt hat, stellte im Jahr 1998 die Entscheidung des Museums dar, sich an der Cuneiform Digital Library Initiative (CDLI) zu beteiligen. Vorausgegangen war dieser Entscheidung eine Veränderung der Forschung mit dem Ziel, die Arbeiten mit dem Schwerpunkt bei den archaischen Texten auf alle Texte des Museums auszuweiten, die in die Zeit von der Uruk-IV-Periode ca. 3200 v. Chr. bis zum Ende der sogennannten Ur-III-Periode ca. 2000 v. Chr. zu datieren sind. Der Grund für diese Ausweitung der Arbeit liegt sowohl in den veränderten Forschungsinteressen der Teilnehmer des Unterfangens als auch in den sich aus Studien zur antiken Schriftlichkeit und Verwaltung ergebenden Sachzwängen; denn die konservative Schrifttradition in Mesopotamien vermittelt dem Wissenschaftler oft Textbelege späterer Perioden, die das Verständnis früheren Materials unterstützen. Das gemeinsame Interesse der Teilnehmer des Projekts, Hilfsmittel für die beim vorliegenden Forschungsstand bislang unmögliche paläografische Analyse der frühen Keilschrift zu entwickeln, machte es schließlich wünschenswert, wenn nicht sogar unabdingbar, alle Texte des VAM aus dem dritten Jahrtausend einzubeziehen. Als eine begrüßenswerte Folge der Ausweitung dieser Arbeit werden die 200 Dokumente des Museums aus dem antiken Fara, die etwa um 2600 v. Chr. zu datieren sind, erstmalig in fotografischer Form zugänglich; diese Texte werden gegenwärtig von Blahoslav Hruska in Prag mit SGML Markup transliteriert, und werden nach dem Abschluß der Arbeiten zusammen mit weiteren bibliografischen Hinweisen und mit Übersetzungshilfen hier hinzugefügt werden.

Das Max-Planck-Institut für Wissenschaftsgeschichte hat die Mittel für das Personal und die Computerausstattung zur Verfügung gestellt, die erforderlich waren, die Digitalisierung der über 3200 Tondokumente der VAM-Sammlung früher Keilschrifttexte vorzunehmen. Von 1995 an haben der Museumsarchivar Nohka und Michael Schüring, ein Mitarbeiter des MPIWG, gestützt auf die Unterlagen des Museums und auf den elektronischen Katalog des CDLI, digitale Bilder der Texte erzeugt. Ab Anfang des Jahres 2000 hat Markus Schnöpf vom MPIWG die Arbeit übernommen, die Digitalisierung der Tafeln abzuschließen und einige Hundert Bilder zu korrigieren, die als dem Standard des Projekts nicht genügend angesehen wurden. Die vorliegende Präsentation stellt das Ergebnis des Abschlusses dieser ersten Stufe der gemeinsamen Arbeit an der elektronischen Erfassung der Texte des VAM dar. Bei einem Treffen im August 1999 im MPIWG, an dem unter anderem die Leiter der CDLI, die Direktorin Salje des VAM und der Präsident der Stiftung Preußischer Kulturbesitz, Klaus-Dieter Lehmann, teilgenommen haben, wurde Einigkeit über die Form erzielt, die Texte im Netz zugänglich zu machen.

Perspectiven

Der Stand der Arbeit, der hier päsentiert wird, ist offensichtlich nur ein vorläufiges Ergebnis, das noch von der ursprünglichen Konzentration der Forschung auf die archaischen Keilschrifttexte geprägt ist. Übersetzungshilfen, sowie die noch unvollständigen Transliterationen für die Texte der späteren Perioden werden in Zukunft ergänzt werden. Mehrere Dutzend Texte aus der altakkadischen Periode (ca. 2340-2200 v. Chr.) sind bislang nicht digitalisiert worden. Wir denken dennoch, daß die Seiten dieser Internetdarstellung bereits einen Fortschritt darstellen, öffentliche Sammlungen von Museen zugänglich zu machen und zu nutzen. Wir sehen das Projekt als ein Modell an, wie eine erfolgreiche Zusammenarbeit von Mitarbeitern von Forschungsinstituten, Universitäten und Kulturinstitutionen ein öffentliches Forum der Information mit bleibendem Einfluß zum Ergebnis haben kann.

Klaus-Dieter Lehmann, Präsident der Stiftung Preussischer Kulturbesitz
Beate Salje, Direktorin des Vorderasiatischen Museums
Robert Englund und Peter Damerow, Principle Investigators der Cuneiform Digital Library Initiative
Jürgen Renn, Direktor, Max-Planck-Instituts für Wissenschaftsgeschichte